Reformpädagogik

Mit „Reformpädagogik“ wird eine pädagogische Epoche bezeichnet, die wir in der Zeit von 1890 bis 1933 (D) bzw. 1936 (international) eingrenzen können und in der sowohl die Theoriebewegung einer neuartigen Praxis wie auch eine neuartige Praxis einer nur teilweise einheitlichen Theoriebewegung folgte, deren pädagogische Themen, die das Selbstverständnis der Epoche geprägt haben, mit den Begriffen „Entwicklung“, „natürliche Erziehung“ und „Pädagogik vom Kinde aus“ zusammen hängen. Wir finden in den Modellen der Reformpädagogik zahlreiche Anregungen für eine moderne Unterrichts- und Schulentwicklung. Wir finden heute in den Modellen der Reformpädagogik ein pädagogisches Fundament für die Entwicklung einer modernen Schule.

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Reformpädagogik – eine kurze Erklärung

Nun ist der Ausdruck „Reformpädagogik“ im Sinne einer Epochenbeschreibung Ausdruck der pädagogischen Geschichtsschreibung. In der heute so bezeichneten „reformpädagogischen“ Literatur kommt der Begriff „Reformpädagogik“ als Bezeichnung einer pädagogischen Bewegung zum ersten Mal 1919 in F. Regeners Buch „Die Prinzipien der Reformpädagogik. Anregung zu einer kritischen Würdigung“ (Skiera, 2003) vor. Die Vertreterinnen und Vertreter der „Reform“-Bewegung sprachen hingegen von einer „neuen Pädagogik“ (Gansberg, 1909), von dem Programm einer „natürlichen Erziehung“ (Haufe, 1889), von der „neuen Schule“ (Scharrelmann, 1912), von der „Zukunftspädagogik“ (Münch, 1913) oder auch von den „Grundsätzen der wissenschaftlichen Pädagogik“ (Montessori, 1913).

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Reformpädagogische Ansätze in der Interkulturellen Pädagogik

Nach Adolphe Ferrière soll der Unterricht der Entwicklung des Kindes folgen – ein sehr aktueller Diskussionspunkt, wie auch heutige Erkenntnisse bestätigen. Die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade sind, ist eine der Forderungen des Lehrplans für das Regelschulwesen. Francois Navillefordert Eigentätigkeit der Schüler – wiederum eine wesentliche methodische Erkenntnis, deren Anwendung sinnvoll ist für alle Kinder. Besonders aber Kinder von Migranten erarbeiten sich die neue Sprache und Fachwissen intensiver und auf lange Zeit hin effektiver durch Begreifen, durch eigene Erfahrung und durch selbsttätiges Lernen mittels Nachschlagetechnik oder speziell angefertigten Medien. Die Erhebung von Vorkenntnissen eines eventuell bereits durchlaufenen Alphabetisierungsprozesses und ggf. schulischer Vorbildung sind dafür anfangs notwendig.

Furch, Elisabeth: Reformpädagogische Ansätze in der Interkulturellen Pädagogik. In: Eichelberger, Harald: Lebendige Reformpädagogik. Innsbruck 1997, StudienVerlag

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Reformpädagogik und Integration im Kontext

"Der Weg, den die Schwachen gehen, um sich zu stärken, ist der gleiche, den die Starken gehen, um sich zu vervollkommnen."

Das der Reformpädagogik allerorts und allseits bekundete große Interesse legt die Vermutung nahe, dass ein dringendes Bedürfnis besteht, Unterricht in Richtung Humanisierung und Demokratisierung zu verändern. Diese Hinwendung zur Reformpädagogik lässt mich hoffen, dass nunmehr der „Reformpädagogik des 21. Jahrhunderts“ – der „Integrativen Pädagogik“ – gleichermaßen Beachtung geschenkt wird, sind doch Humanisierung und Demokratisierung auch deren ureigene Anliegen.

Bintinger, Gitta: Reformpädagogik und Integration im Kontext. In: Eichelberger, Harald: Lebendige Reformpädagogik. Innsbruck 1997, StudienVerlag

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Tabellarische Zusammenfassung reformpädagogischer Modelle

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Reformpädagoginnen & Reformpädagogen im Überblick

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  • Montessori-Pädagogik

    „Wenn wir sprächen von einer „Hilfe für die menschliche Person, ihre Unabhängigkeit zu erobern“, von einem „Mittel, sie von der Unterdrückung durch alte Vorurteile über die Erziehung zu befreien“, dann würde alles klar sein. Die menschliche Personalität muss in den Blick genommen werden und nicht eine Erziehungsmethode: die Verteidigung des Kindes, die wissenschaftliche Erkenntnis seiner Natur, die Proklamation seiner sozialen Rechte müssen an die Stelle der zerstückelten Weisen, die Erziehung zu konzipieren, treten.“ (Maria Montessori, Über die Bildung des Menschen)

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  • Daltonplan-Pädagogik

    „Es (das Eigenstudium – Verf.) weckt in dem Kind einen Geist des Selbstvertrauens und der Initiative; dadurch beginnt sofort die Charakterbildung. Das ist Lebenserfahrung für das kleine Kind. Es lernt seiner eigenen Lebenserfahrung entsprechend zusammen mit seinen Mitschülern, die alle das gleiche Abenteuer suchen. Es formt während seines Schullebens die gleichen Beziehungsarten aus, die es später im Geschäfts- oder Berufsleben antreffen wird. Es lernt, indem es versucht (He is learning by trying).” (Parkhurst, Helen, Education on the Dalton-Plan)

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  • Jenaplan-Pädagogik

    „Wie muss diejenige Erziehungsgemeinschaft gestaltet werden, in welcher sich ein Menschenkind die beste Bildung erwerben kann, d.h. eine Bildung, die seinem, in ihm angelegten und treibenden Bildungsdrange angemessen ist, die ihm innerhalb dieser Gemeinschaft vermittelt wird und die es reicher, wertvoller zur größeren Gemeinschaft zurückführt und dieser als tätiges Glied wiederum übergibt? Oder kürzer, wie soll die Erziehungsgemeinschaft beschaffen sein, in der und durch die ein Mensch seine Individualität zur Persönlichkeit vollenden kann?“ (Petersen, Peter, Der Kleine Jenaplan)

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  • Freinet-Pädagogik

    „Die Schule von morgen wird das Kind als Glied der Gemeinschaft in den Mittelpunkt ihres erziehlichen Bemühens stellen. Von seinen wesentlichen Bedürfnissen, hingeordnet auf die Belange der Gesellschaft, der es angehört, sind die von ihm zu erwerbenden manuellen und geistigen Fertigkeiten, das Bildungsgut, die Art der Vermittlung des Bildungsgutes und die Art und Weise seiner Erziehung abzuleiten. Es handelt sich bei diesem Vorgehen darum, die Schule wahrhaft wieder in eine vernünftige, wirksame und menschliche Form zu bringen, die es dem Kind erlaubt, zu einer möglichst vollkommenen Entfaltung seiner Menschlichkeit zu kommen.“ (Freinet, Célestin, Die moderne französische Schule)

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  • Martin Wagenschein

    „Versucht man von hier aus eine erste Definition des exemplarischen Lehrens, so könnte man sagen: Es ist die Art der Gründlichkeit, die von einem einzelnen aufs Ganze geht – und zwar, indem es durch eindringliches Verweilen den ganzen Menschen anfordert und auch das ganze des Faches (ja unter Umständen der geistigen Welt) erhellt, insofern es als Beispiel repräsentativ ist.“ (Wagenschein, Martin, in: Roth, Heinrich, Exemplarisches Lehren)

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